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Legionellen im Warmwasser: Risiko erkennen und vermeiden – Ratgeber für Basel

Legionellen vermehren sich unbemerkt in lauwarmem Trinkwasser – und werden erst beim Duschen zum Problem. Wer eine Liegenschaft besitzt oder verwaltet, trägt hier eine echte Verantwortung. Dieser Ratgeber zeigt, wo die Risikostellen liegen und mit welchen Massnahmen Sie das Thema sauber in den Griff bekommen.

Das Wichtigste in Kürze

Legionellen im Warmwasser sind in Basel ein unterschätztes Risiko. Woran Sie eine Gefährdung erkennen, welche Temperaturen gelten und was Eigentümer tun müssen.

Was Legionellen sind und wann sie gefährlich werden

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in kleinsten Mengen in fast jedem Wasser vorkommen. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich stark vermehren. Ihr Wohlfühlbereich liegt etwa zwischen 25 und 45 Grad – also genau dort, wo schlecht eingestelltes oder selten genutztes Warmwasser landet. Unter 20 Grad und ab rund 60 Grad stellen sie die Vermehrung praktisch ein.

Gefährlich wird es nicht durch Trinken, sondern durch das Einatmen von feinen Wassertröpfchen. Duschen, Whirlpools, Wasserhähne mit starkem Strahl oder Klimabefeuchter erzeugen genau solche Aerosole. Die Folge kann eine Lungenentzündung sein, die sogenannte Legionärskrankheit. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher und Personen mit geschwächtem Immunsystem. In der Schweiz ist eine nachgewiesene Legionellose meldepflichtig, und die Fallzahlen sind in den letzten Jahren gestiegen – ein Grund, warum das Thema auch bei Liegenschaftsverwaltungen an Bedeutung gewinnt.

Die typischen Risikostellen im Gebäude

In den meisten Basler Liegenschaften sind es immer dieselben Schwachstellen, die wir bei Kontrollen finden:

  • Zu tief eingestellter Boiler: Aus Sparsamkeit auf 45 oder 50 Grad gedrosselt – das ist genau der kritische Bereich.
  • Totleitungen: Abgehängte Leitungsstücke von umgebauten Bädern oder entfernten Waschküchenanschlüssen, in denen Wasser jahrelang steht.
  • Selten genutzte Entnahmestellen: Gästebad, Kellerdusche, Ferienwohnung, leerstehende Wohnung. Stagnation ist der beste Nährboden.
  • Fehlende oder schlecht eingestellte Zirkulation: Wenn das Warmwasser im Verteilnetz auskühlt, nützt der heisse Boiler wenig.
  • Warme Kaltwasserleitungen: Kaltwasser, das neben ungedämmten Heizleitungen oder in einem warmen Schacht verläuft, erwärmt sich schleichend.
  • Verkalkte Speicher und alte Duschschläuche: Kalk und Ablagerungen bieten Biofilm eine ideale Oberfläche.

Die entscheidenden Temperaturen: 60 und 55 Grad

Als Faustregel in der Schweizer Sanitärtechnik gilt: Das Warmwasser im Speicher soll mindestens 60 Grad erreichen, und im Zirkulationsrücklauf sollen 55 Grad nicht unterschritten werden. Kaltwasser wiederum soll unter 25 Grad bleiben. Diese Werte stammen aus den anerkannten Regeln der Technik für Trinkwasserinstallationen und sind der wirksamste Hebel überhaupt, weil sie ganz ohne Chemie funktionieren.

Wichtig ist der Praxisbezug: Gemessen wird nicht am Thermostat, sondern am Wasser – idealerweise am Speicheraustritt und an der am weitesten entfernten Entnahmestelle. Zwischen der Anzeige am Regler und dem, was tatsächlich in der Dachwohnung ankommt, liegen erfahrungsgemäss oft mehrere Grad.

Ein berechtigter Einwand: Höhere Temperaturen kosten Energie und beschleunigen die Verkalkung. Die saubere Lösung ist deshalb nicht einfach mehr Hitze, sondern eine gut gedämmte, hydraulisch richtig eingestellte Verteilung plus Verbrühschutz an den Armaturen. Bei Wärmepumpen, die den benötigten Wert nicht immer allein erreichen, arbeitet man mit einer regelmässigen thermischen Aufheizung des Speichers oder einem Nachheizregister.

Was Eigentümer und Verwaltungen beachten sollten

Für öffentlich zugängliche Duschanlagen – etwa in Sportanlagen, Hotels, Heimen oder Badebetrieben – gelten in der Schweiz lebensmittelrechtliche Vorgaben mit einem Höchstwert für Legionellen im Duschwasser; hier kontrolliert das kantonale Labor. Für normale Mehrfamilienhäuser gibt es keine generelle Pflicht zur periodischen Beprobung. Trotzdem gilt: Wer eine Liegenschaft vermietet, muss eine einwandfreie Trinkwasserinstallation bereitstellen. Spätestens wenn ein Krankheitsfall im Raum steht, wird die Frage gestellt, ob die Anlage fachgerecht betrieben wurde.

Sinnvoll ist deshalb ein einfaches, dokumentiertes Vorgehen: Temperaturen einmal jährlich messen und protokollieren, Boiler regelmässig entkalken und den Opferanoden-Zustand prüfen lassen, leerstehende Wohnungen alle paar Tage spülen und bei jedem Umbau konsequent alle Totleitungen zurückbauen. Diese Dokumentation kostet wenig und ist im Ernstfall Gold wert.

Verdacht auf Legionellen – wie vorgehen?

Wenn Sie unsicher sind, empfiehlt sich dieser Ablauf:

  1. Temperaturen an Speicher, Zirkulation und der entferntesten Zapfstelle messen lassen.
  2. Bei auffälligen Werten eine akkreditierte Wasserprobe ziehen lassen – korrekt entnommen, sonst ist das Resultat wertlos.
  3. Als Sofortmassnahme das Warmwasser thermisch desinfizieren, also den Speicher aufheizen und alle Entnahmestellen kontrolliert durchspülen. Achtung: Dabei besteht Verbrühungsgefahr, die Bewohner müssen vorab informiert werden.
  4. Ursache beheben statt Symptome bekämpfen: Dämmung, Zirkulation, Totleitungen, Speichertausch.
  5. Nach der Sanierung eine Kontrollprobe durchführen.

Die Kosten hängen stark von der Ursache ab. Eine Temperaturkontrolle mit Protokoll bewegt sich in einer überschaubaren Grössenordnung, ein Boilerersatz oder eine neue Zirkulationsleitung ist eine deutlich grössere Investition. Verbindlich ist immer erst die Offerte nach der Besichtigung – seriöse Richtwerte lassen sich ohne Blick auf die Anlage nicht nennen.

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